Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde unseres Hauses,

2020 – fürwahr, das Ziffernspiel dieser Jahreszahl – gar hübsch anzusehen! Harmonie und Gleichmaß in der Zahlenfolge, doch es kam ganz anders. Das Jahr begann, völlig harmlos, mit klimaveränderten, gewohnt milden Wintertemperaturen. Wir hatten Mitte Januar bei unserem Handelspartner in Italien eine tolle Präsentation am Lago di Garda, besuchten noch die Familie meines Vetters in Münster, hatten noch eine kleine, aber feine Weinmesse in Hof („in Bayern ganz oben“) und konnten das bezaubernde Stade im „Alten Land“ bei guten Freunden und köstlichem Essen kennenlernen. Bei einem Nachtansitz Ende Februar auf Schwarzwild, „baumte“ ich gegen 23.00 Uhr ab, da ich es wegen des Fluglärms nicht mehr aushielt. Und dann kam Corona.

 

Alle Verkaufs- und Präsentationsveranstaltungen wurden abgesagt und wir hatten mit dieser bisher nie gekannten Situation viele Fragen, Unsicherheiten und Zweifel. Unser Verkauf war in Kurzarbeit, doch die Arbeit in den Weinbergen musste schließlich von statten gehen, was aber bei einer Zeilenbreite von 2 Metern (Mindestabstandsregel) kein Problem war. In den Weinbergen ging alles seinen gewohnten Lauf. Bis zum Montag, den 11. Mai. Eisheiligenzeit. Tagsüber hatten wir +17°C. und es regnete wie aus Kübeln. Der Himmel riss gegen Abend auf und die Temperaturen purzelten stündlich um 2 Grad. Die Wolken rasten aus Richtung Nord nur so dahin und als ich gegen 22.00 Uhr auf’s Thermometer sah, waren es nur noch +2°. Die Nässe und der kalte Nordwind funktionierten wie eine natürliche Kältemaschine (Carl Linde hätte wohl seine helle Freude daran gehabt) und mir war klar – heute Nacht erfrieren die Weinberge. Am Dienstagmorgen fuhren wir mit bangen Minen in die Weinberge und waren geschockt. Das Ausmaß des Frostschadens war so immens, wie wir es noch nie erlebt haben. Die früheren Spätfröste erstreckten sich in Iphofen sonst immer nur auf die „tiefen“ Lagen, wo unsere „Altvorderen“ immer gesagt haben: „da gehört kein Weinberg hin“. Selbst in den Hanglagen, die noch nie Frostschäden aufwiesen, waren Triebe – teilweise schon im 5-Blatt Stadium – erfroren. Ich kann mich nicht erinnern, daß wir jemals einen Spätfrost dieses Ausmaßes hatten und kann mich auch nicht erinnern, dass mein Vater, oder gar meine Oma von solch einem extremen Maifrost berichteten. Der Klimawandel mit dem Faktor der Erderwärmung, ist zu den „Eisheiligen“ - da oben – scheinbar noch nicht durchgedrungen. Sie geben - völlig unmodern – noch immer pünktlich ihr Stelldichein. Schließlich sind wir mit zwei blauen Augen davongekommen und hoffen, daß wir in Zukunft von solchen „Heimsuchungen“ verschont bleiben.

 

Doch lassen Sie mich nun über etwas Wunderbares berichten – den Jahrgang 2019. Viel Sonne und wenig Regen waren weinbaulich eine Herausforderung, die die Rucks wieder einmal gemeistert haben. Ich habe gerade einen 2019er Silvaner VDP.Gutswein vor mir – Sie wissen ja, wegen der Geistesblitze – ein Traum! Alle Weine des Jahrgangs sind von hoher Eleganz, perfektem Sortentyp und dem unverkennbar mineralischen Finale. Besonders hervorheben möchte ich meinen derzeitigen Lieblingswein: unseren Echterberg Traminer, für den der Jahresverlauf geradezu perfekt war. Die Reben dankten es uns mit kerngesunden Trauben, alle sehr gleichmäßig entwickelt und immens aromatisch. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß es der beste Traminer ist, den wir je anbieten konnten. Der Duft, man glaubt man sitzt in einem Rosenbusch, der Mund ist erfüllt von Wohlgeschmack und will schier nicht enden. Der Ideale Begleiter für die kommenden Festtage, die wir wohl im trauten Heim verbringen werden. Da ist es sehr beruhigend, wenn man solche Köstlichkeiten zuhause hat.

 

Genauso perfekt wie der Wein ist der davon gewonnene Tresterbrand. Überzeugender Rosenduft, der sich im Mund fortsetzt und angenehm lange bleibt – eine Spezialität!

 

Auch unsere VDP.ErsteLage-Silvaner von der Kalb, Kronsberg und Echterberg zeigen viele kleine Unterschiede und große Klasse. Nur wenige hundert Meter liegen diese Parzellen auseinander und schmecken dennoch so unterschiedlich – das muß wohl am Terroir liegen.
Wer gerne gereiften Riesling trinkt, dem empfehle ich unseren 17er Echterberg Riesling. Dieser Wein spielt mit mineralischer Dichte und Struktur. Keine Spur von ältlicher Behäbigkeit, straff, fest steht er im Glas – ein Best Ager des guten Geschmacks. Und hier noch ein Hinweis für unsere Freunde in der Region: Die Jagd war heuer erfolgreich! Einige Rehschlegel warten auf ein neues Zuhause und für die Sauce zum Braten haben wir einen dunklen Rehfonds gekocht. Ab Mitte Dezember werden auch die geräucherten Wildbratwürste soweit sein. Bitte denken Sie an die Kühltasche zum Transport.

 

Zum Schluß wieder etwas zum Schmunzeln. Als im April cov.19 die öffentlichen sozialen Aktivitäten lähmte, fand in meiner WhatsApp-Gruppe eine sog. Sketch-Challenge statt. Thema: „Der Alkohol als Waffe gegen das Virus“. Mein Sketch zeigt mich beim mehrmaligen Genuß eines westfälischen Doppelwacholders (46%vol.) bis hin zum – naja, Sie wissen schon. Ludwig hat sich das Filmchen natürlich auch angesehen und als in der Familie wieder einmal über Corona diskutiert wurde, warf er ein: „Opa bekommt kein Corona, der säuft Schnaps“!

 

Jetzt wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Durchsehen der neuen Liste – unsere Pralinen sind wieder so gut wie nie zuvor – denken Sie daran, um evtl. Weihnachtspräsente zusammenzustellen, wobei wir Sie gerne beraten. Noch mehr freuen wir uns über Ihren Besuch bei uns im stets desinfizierten Weingut.

 

Ein frohes Weihnachtsfest und guten Rutsch ins neue Jahr 2021!

Ihr Johann Ruck

 

P.S.:
In unserer Kelterhalle hängt, noch von den Altvorderen, ein geschnitzter Faßboden. Er zeigt das Iphöfer Stadtwappen, die Jahreszahl 1937 und rund darüber die treffliche Aufschrift „trübe Zeiten werden heller, hast du Iphöfer Wein im Keller“. Das, was damals wohl als Anspielung auf die politischen Verhältnisse gemünzt war, läßt sich auch auf die heutigen Umstände übertragen!