Iphofen, im November 2018

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde unseres Hauses,

 

das von mir schon so lange ersehnte „normale Weinjahr“ ist wieder ausgeblieben. Eigentlich fing es aber „ganz normal“ an. Der angenehm kalte und trockene Februar wirkte beruhigend und wir konnten mit entsprechender Kleidung unsere Reben schneiden. Es regnete ab und zu und die Natur begann sich im März wieder zu erwärmen. Anfang April waren schwellende Knospen festzustellen und um den 20.4. hatte der Silvaner schon 5 Blättchen ausgebildet. Die Eisheiligen blieben uns auch vom Leibe und am 22.5. verzeichneten wir den Blütebeginn – 4 Wochen früher als “normal“. Durch die trockene und warme Witterung war die Blüte Anfang Juni schon durch und ein kräftiger Regen putzte die Gescheine (Rispen), die sich ab dann rasant weiterentwickelten. Bis dahin normal bis ideal. Dann wurde es aber trocken, sehr trocken, mit Temperaturen von 36° und nur wenig Abkühlung in den Nächten. Wildentschlossen wollte ich in unserer Dachwohnung eine Klimaanlage einbauen lassen, aber der Installateur lachte nur und meinte: „frag‘ bitte nochmal nach Weihnachten an“. Wir haben’s überstanden und unsere Reben auch, die immer prachtvollere Trauben zeigten, die schon im August wunderbar schmeckten. Am 3. September begannen wir mit der Lese – so früh wie noch nie zuvor. Alles lief „wie am Schnürchen“ da durch die kerngesunden, gleichmäßig und perfekt ausgereiften Trauben keine Selektionsarbeit nötig war. Somit waren wir am 21. September schon fertig und pokern jetzt nur noch mit einer Parzelle Silvaner im Kronsberg auf eine edelsüße Spezialität – auch solch eine „Verrücktheit“ halte ich in diesem Jahr für möglich 

 

Fazit: Durch Ertragsregulierung und den frühen Lesebeginn bekamen wir auch in diesem Extremjahr genau die Qualität, die Sie, liebe Weinfreundinnen- und Freunde von uns gewohnt sind – Punktlandung! Wieder ein „Jahrhundertjahrgang“? Da wir erst am Anfang des Jahrhunderts stehen, bin ich mit dieser Bezeichnung etwas vorsichtig. Aber als sehr guter Jahrgang wird der 2018er wohl in die Historie eingehen. Und alle Jahre obliegt es dem Winzer selbst, wie er mit den natürlichen Gegebenheiten umgeht. Dazu bedarf es aber Erfahrung, Einfühlungsvermögen, Beharrlichkeit und Fleiß, um auch den Herausforderungen der Klimaveränderung zu begegnen. Eine gewisse „hellseherische Fähigkeit“ ist hier allerdings von großem Vorteil. 

 

Silvaner und Riesling, die Burgundersorten, Sauvignon blanc, (die Rebsorte, die in Franken schon immer im sog. „gemischten Satz“ vorzufinden war und als Gewürz- oder Muskatsilvaner bezeichnet wurde) die Scheurebe, der Rieslaner und - ganz besonders - der Traminer, der durch die perfekte Witterung so perfekt verblühte, daß wir hier so perfekte Trauben ernten konnten, wie nie zuvor – eine wahre Freude. Seien Sie gespannt auf die 2018er! Sie wissen ja: „gut Ding will Weile haben“, da nur durch behutsamen und ruhigen Ausbau im Keller die Weine so heranreifen, wie es diesem Jahrgang gebührt. Im Juni nächsten Jahres werden wohl die ersten „Perfektionisten“ zu probieren sein. 

 

Daß Sie bis dahin nicht „verdrießlich werden“, wie der Herr Geheimrat, wenn Ihnen „ der gewohnte Trunk“ abgeht, um in seinem Jargon zu sprechen, verweise ich auf unser aktuelles Angebot, das Sie der beiliegenden Weinliste entnehmen können. Die 16er und 17er Gutsweine – unsere Basisqualität - geradezu genial jetzt zu trinken sind von großer Frische und Leichtigkeit. Die Lagenweine, alle als „VDP Erste Lage“ klassifiziert, sind Weine, die das Terroir und die Mineralität der jeweiligen Keuper-Variante unverwechselbar zeigen und schmecken lassen. Besonders gefreut haben wir uns, daß beim Internet-Portal „Wein-plus“ unsere 2017er Lagenweine herausragend hohe Punktzahlen erreicht haben. Nach langer Faßreife in iphöfer Eiche bieten wir wieder einen MYOPHORIUM vom Jahrgang 2011 an. Er erreichte 90 Punkte. Meine besondere Empfehlung gilt unserem Sekt. Mit einem etwas höheren Anteil von Spätburgunder in der Cuvée hat er eine charmante Roséfarbe, dazu ein langanhaltendes Mousseux und einen ganz feinen Geschmack nach fruchtigen roten Beeren – ideal für die kommenden Festtage. Natürlich gibt es auch wieder unsere Pralinen-Spezialitäten, von denen ich alljährlich – im Brustton der Überzeugung – behaupte: so gut wie nie zuvor. Denn auch hier versuchen wir, in enger Zusammenarbeit mit den Confiseurs der Manufaktur Burg Lauenstein, unsere Rezepturen immer weiter zu verfeinern. 

 

Gerne, und ich denke auch von Ihnen erwartet, berichte ich Ihnen als stolzer Opa, von unseren Enkeln, dem hoffnungsvollen Winzernachwuchs der folgenden Generation. Hanni, der Große mit nunmehr 10 Lebensjahren, ist seit Schulbeginn Gymnasiast im St. Egbert Gymnasium in Münsterschwarzach. Es gefällt ihm sehr gut und mit seinem ausgeglichenen, freundlich-lustigen Wesen, glaubt man ihm das sofort. Leider sind, mit zunehmender „Weisheit“ und Alter auch die Bonmots nicht mehr so an der Tagesordnung, er wird halt „vernünftig“. Er macht aber uns Großeltern – und natürlich auch den Eltern – große Freude. Von Ludwig („dem Zweiten“ („II.“)) von mir als „Lufdi“ gerufen, ist da noch etwas mehr zu erwarten. Seine Oma, die liebste Hausaufgabenbetreuerin, die er sich vorstellen kann, kämpft bei den Hausaufgaben mit ihm täglich um Konzentration, Ausdauer und Seriosität. Er könnte – will aber nicht. Zumindest nicht in der Intensität, die man von ihm gerne hätte. Am Kirchweih-Sonntag, beim „Kulinarischen Spaziergang“ in Iphofen, gab es bei uns im Weingut Ente vom Spieß mit Blaukraut und Knödeln, vom Profi Norbert Polster (Polsters Klosterhof, Neunkirchen am Brand). Es war ein Traum! Papa Hansi, Hanni und Ludwig, zusammen mit vielen Gästen, verzehrten mit Hochgenuß die geniale Traditionsspeise. Papa Hansi, konzentriert und sehr schweigsam beim kulinarischen Erlebnis, wurde von Ludwig gefragt, just als er von Frau Bode für einen „facebook-account“ werbewirksam fotografiert wurde: „gell Papa, du machst gerade Schleichwerbung“. Solche Feinsinnigkeit gefällt dem Opa sehr! 

 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Spätherbst und für die kommenden Festtage eine besinnlich- gemütliche Zeit, die Sie immer noch durch ein Gläschen Wein aus unserem Hause krönen können. 

 

Ihr Johann Ruck